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Der Oberösterreichische Landtag


Einen Landtag als politische Vertretungsk√∂rperschaft des Landes Ober√∂sterreich gibt es seit 1861. Zuerst handelte es sich um einen Kurienlandtag, wobei in den Jahren bis 1909 auf die Kurie der Landgemeinden 19 Sitze, auf die St√§dte und Industrialorte 17, auf die Gro√ügrundbesitzer zehn und auf die Handelskammer drei Stimmen entfielen. Zusammen mit der Virilstimme des Di√∂zesanbischofs waren dies 50 Mandate. 1909 wurde eine Allgemeine W√§hlerklasse eingef√ľhrt und die Zahl der Landtagsabgeordneten auf 69 erh√∂ht. Zwischen 1914 und 1918 war der Landtag sistiert (eingestellt). Ab 1918 gab es auch f√ľr die Landtage das allgemeine und gleiche Wahlrecht. Der St√§ndische Landtag der Jahre 1935 bis 1938 z√§hlte 36 Mitglieder, die ernannt wurden.

Neu eingef√ľhrt wurde 1935 ein eigener Landtagspr√§sident (‚ÄěSt√§ndische Landesverfassung‚Äú 1935). Bis dahin hatte der Landeshauptmann den Vorsitz im Landtag. ¬ß 2 der Landesverfassung 1935 stellte fest: ‚ÄěDer Landtag w√§hlt aus seiner Mitte den Pr√§sidenten und zwei Vizepr√§sidenten.‚Äú
Zwischen 1938 und 1935 gab es keinerlei gew√§hlte Vertretungsk√∂rper. Das Verfassungs√ľberleitungsgesetz des Jahres 1945 reaktivierte die letzte demokratische Verfassung Ober√∂sterreichs, die des Jahres 1930, die aber noch keinen Landtagspr√§sidenten kannte. Der Landtagsbeschluss vom 20. M√§rz 1946 (‚ÄěDer Landtag w√§hlt aus seiner Mitte einen ersten und zweiten Pr√§sidenten. Vorsitzender des Landtages ist der erste Pr√§sident.‚Äú) wurde vorerst nicht ver√∂ffentlicht, sondern erst gegen Ende der Besatzungszeit, nunmehr aber mit drei Pr√§sidenten. Die Landtage der Jahre 1945 bis 1973 (XVI. bis XX. Legislaturperiode) hatten jeweils 48 Mitglieder. Die Zahl der Landtagsabgeordneten erh√∂hte sich ab 1973 (XXI. Legislaturperiode) auf 56.

Die Legislaturperiode f√ľr den ober√∂sterreichischen Landtag war √§hnlich wie f√ľr die weiteren 14 Landtage der westlichen Reichsh√§lfte der Habsburgermonarchie in der Landesordnung vom 26. Februar 1861 mit sechs Jahren festgelegt worden.

In der Praxis wurden die Legislaturperioden gelegentlich durch vorzeitige Landtagsaufl√∂sungen verk√ľrzt, teils auf Beschluss des Landtags; 1914 durch Sistierung, 1934 durch Aufl√∂sung. Der 1945 gew√§hlte Landtag wurde 1949 vorzeitig aufgel√∂st. Seit 1949 wurde die sechsj√§hrige Legislaturperiode nie mehr verk√ľrzt.

Die Nummerierung der Legislaturperioden begann 1861 mit I. Der 1945 gewählte Landtag begann mit Nummer XVI.

Quelle: Wolfgang Pesendorfer, Der Oberösterreichische Landtag. Historische Entwicklung. Wesen und Bedeutung einer Institution, Linz 1989.

Landtagspräsidentinnen und Landtragspräsidenten: (Biografische Datenbank des Oberösterreichischen Landesarchivs)

Peter Mandorfer (1945‚Äď1953)

Mathias H√∂dlmoser (1953‚Äď1967)

Dr. Rupert Hartl (1967‚Äď1969)

Josef Schweighofer (1969‚Äď1973)

Dr. Lelio Spannocchi (1973‚Äď1979)

Johanna Preinstorfer (1979‚Äď1991)

Angela Orthner (1991‚Äď2009)

Friedrich Bernhofer (2009-2013)

KommR Viktor Sigl (seit 2013)


Autor: Roman Sandgruber, 2005

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