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Heinrich Glei├čner (1893ÔÇô1984)


Heinrich Glei├čner, bereits von 1934 bis 1938 Landeshauptmann von Ober├Âsterreich, war in der Nacht vom 12. auf den 13. M├Ąrz 1938 abgesetzt und am 15. M├Ąrz verhaftet worden. Er verblieb mehrere Monate in Polizeihaft und im Konzentrationslager Dachau. Im September 1939 wurde er neuerlich verhaftet und kam ins Konzentrationslager Buchenwald. Nach Intervention von Glei├čners Frau bei Heinrich Himmlers Mutter in M├╝nchen wurde er wieder entlassen, und es wurde ihm mit seiner Familie Berlin als Zwangsaufenthalt zugewiesen. Anfang 1945 verlie├č Glei├čner gemeinsam mit Dr. Seefeldner Berlin, nachdem seine Familie bereits Ende 1943 nach Ober├Âsterreich zur├╝ckgekehrt war. In Ober├Âsterreich angekommen, musste sich Glei├čner vorerst verborgen halten, bis das Kriegsende und der Zusammenbruch des Regimes kamen.

Schon im Mai 1945 ├╝bernahm Glei├čner als ehemaliger Kammeramtsdirektor die kommissarische Leitung der Landesbauernschaft Donauland und bereitete deren Umwandlung in die O├ľ. Landwirtschaftskammer vor, die rechtlich 1947 wieder als gesetzliche Interessenvertretung der Landwirtschaft eingerichtet wurde. In der von den Amerikanern ernannten provisorischen Landesregierung (Beamtenregierung) fungierte er als Agrarreferent.

Wie die pers├Ânliche Lebensplanung Glei├čners war, l├Ąsst sich nicht definitiv sagen. Jedenfalls hatte er 1951 in Nachfolge des Ende 1950 verstorbenen Karl Renner als Bundespr├Ąsident kandidiert, und dies mit durchaus guten Erfolgsaussichten. Wenngleich Glei├čner im ersten Wahlgang am 6. Mai 1951 die Mehrheit der Stimmen erhalten hatte, unterlag er im zweiten Wahlgang in der Stichwahl gegen├╝ber Theodor K├Ârner um 168.000 Stimmen.

Heinrich Glei├čner hat sich besonders um den Ausbau des Schulwesen und die Gr├╝ndung einer Universit├Ąt in Ober├Âsterreich engagiert. Die Idee zur Gr├╝ndung einer technischen Hochschule war in Linz seit Kriegsende lebendig. Letztendlich dauerte es 20 Jahre, bis sie verwirklicht werden konnte. Erst 1964 kam es zum Spatenstich f├╝r das erste H├Ârsaal- und Institutsgeb├Ąude ÔÇô Linz und Ober├Âsterreich hatten den Grundstein f├╝r ein wissenschaftliches Zentrum gelegt.

22 Jahre war Glei├čner Kulturreferent. Die Gr├╝ndung des Stifter-Institutes, die Landesausstellungen, der Umbau des Landestheaters, zahlreiche Stipendien und Preise f├╝r K├╝nstlerinnen und K├╝nstler aller Altersgruppen sowie die Initiative zur Gr├╝ndung des Volksbildungswerks gingen von Landeshauptmann Glei├čner aus.

Glei├čner hat sich vehement f├╝r den Wiederaufbau der Linzer Schwerindustrie eingesetzt, genauso aber f├╝r einen leistungsf├Ąhigen Mittelstand. Ober├Âsterreich wurde zur dynamischen, exportintensivsten Wirtschaftsregion ├ľsterreichs.

Am 2. Mai 1971 trat er von seinem Amt als Landeshauptmann zur├╝ck.


Autor: Roman Sandgruber, 2005

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