Forum O├ľ Geschichte

Vom Heidedorf zur Gro├čgemeinde

Nach dem Krieg. Marchtrenk 1945-1955


ORTSENTWICKLUNG

ÔÇ×ÔÇŽ Dort, wo die Lerche singt und wo die Sense klingt,
wo weit verstreut die kleinen H├Ąuserln stehn, ...dort ist, so lang ich denk,
mein Heimatort Marchtrenk, das Nesterl auf der Welser Heid.
Marchtrenk, das D├Ârflein im Heideland, das Schicksal hat uns an dich gebannt,
bist du auch unscheinbar und kleinÔÇŽ
ÔÇť

Auszug aus dem ÔÇ×MarchtrenkliedÔÇť (Text: Fritz Sadleder, Musik: Hans Becker)

Das Lied wurde in den 1930er oder 1940er Jahren geschrieben ÔÇô genau l├Ąsst es sich nicht datieren. Wenn wir das heutige Marchtrenk betrachten, f├Ąllt es uns schwer zu glauben, dass Marchtrenk zum Kriegsende so war, wie im Lied beschrieben. Erst in Gespr├Ąchen mit ├Ąlteren Menschen wird uns bewusst, dass Marchtrenk zwischen 1945 und 1955 nur ein langgezogenes Stra├čendorf war.

Anhand der Gemeinderatsprotokolle soll auf die ├Âffentlichen Baulichkeiten und auf die ÔÇô kaum vorhandene ÔÇô Infrastruktur eingegangen werden.


GEMEINDEHAUS

Im Dezember 1945 erkl├Ąrte der B├╝rgermeister, dass alles daran gesetzt werden m├╝sse, dass ein neues Gemeindehaus errichtet werde. Im Juli 1946 wurde die Firma Zechmeister mit einer Planskizze beauftragt. Vermutlich auf Grund des sehr knapp vorhandenen Baumaterials wurden erst im Februar 1949 die Planungsarbeiten an den Welser Architekt Veit ├╝bertragen. Am 23. Juli 1950 war die Er├Âffnungsfeier f├╝r das im Heimatstil der 1940er Jahre errichtete Amt. Die Kosten betrugen 680.000 Schilling und mussten zur G├Ąnze von der Gemeinde aufgebracht werden. Die ehemalige Gemeindekanzlei (Haus Nummer 40, sp├Ąter Linzer Stra├če 7) wurde f├╝r die Schule das Lehrmittelzimmer. In den zweiten Kanzleiraum zog die Raiffeisenkasse ein.


ORTSPLANUNG

Im Januar 1947 wurde auf Dr├Ąngen der Landesbaudirektion die Ortsplanung beschlossen. Zwei sozialistische Gemeinder├Ąte betonten jedoch, dass auf die Arbeiterschaft R├╝cksicht genommen werden m├╝sse und auch Kleinsiedelungen zu schaffen seien. Im J├Ąnner 1948 ├╝bergab der Welser Architekt Veit der Gemeinde den Fl├Ąchenwidmungsplan. Der Bauer Adam A. erhob Einspruch, da er von seinen 60 Joch Landwirtschaftsgrund 13 Joch verlieren sollte. Dieser Einspruch wurde einstimmig abgelehnt.


STRASSENBAU

1948 wurde die zwischen zwei Geb├Ąuden der Sternm├╝hle hindurch f├╝hrende Stra├če nach Wei├čkirchen auf Kosten der Firma K├Âllerer verlegt. Die Firma zahlte auch die Br├╝cke ├╝ber den M├╝hlbach.
In der Gemeinderatssitzung vom 4. Oktober 1947 wurde die Landesregierung ersucht, die Bahnhofstra├če und die Ufermannstra├če mit einem staubfreien Belag zu versehen, da die gro├če Staubplage kaum mehr tragbar sei und gesundheitssch├Ądlich wirke. Tats├Ąchlich geschah dies erst 1950.

Gemeinderat R. erkl├Ąrte im November 1955:
ÔÇ×Die Schaffung von drei Bauparzellen ist nicht mit der geplanten Umfahrungsstra├če in Zusammenhang zu bringen, da diese sich weit davon entfernt befindet. Vermutlich wird diese Umfahrungsstra├če nie gebaut werden, weil die Reichsautobahn (so w├Ârtlich) einen Gro├čteil des Verkehrs von Marchtrenk wegnehmen wird.ÔÇť Welch falsche Prophezeiung!


FEUERWEHRZEUGSTÄTTE

Der Baubeschluss f├╝r ein Feuerwehrgeb├Ąude wurde am 9. September 1948 gefasst. Mit ein Grund war, dass die Feuerwehrger├Ąte bis dahin verstreut aufbewahrt worden waren. 1947 wurde vorgeschlagen, dass die Feuerwehr im Schulhof der Volksschule gebaut wird. Letztlich entschied sich der Gemeinderat f├╝r den Platz neben dem Gemeindeamt.

Am 15. August 1949 erfolgte die Einweihung. Die Kosten beliefen sich auf 294.000 Schilling. Neu war eine Sirene auf dem Dach ÔÇô somit wussten die Feuerwehrleute und die Marchtrenker immer, wenn es im Ort brannte. F├╝r die Feuerwehr Kappern wurde 1952 ein Schlauchturm um 1.000 Schilling errichtet.


TRAUNBR├ťCKE

Die 1893 auf Initiative des B├╝rgermeisters Ernst Becker aus privaten Mitteln errichtete Holzbr├╝cke ├╝ber die Traun wurde 1920 an das Land Ober├Âsterreich ├╝bertragen. Am 5. oder 6. Mai 1945 wurden von der Deutschen Arbeitsfront (D.A.F.) zwei Br├╝ckenspangen gesprengt. Im Herbst 1945 war die Br├╝cke wieder befahrbar. Am 24. Mai 1949 wurde die Br├╝cke durch ein gewaltiges Hochwasser so stark besch├Ądigt, dass sie f├╝r Fahrzeuge nicht mehr passierbar war. Fu├čg├Ąnger durften sie auf eigene Gefahr betreten.

Am 5. August 1950 teilte der B├╝rgermeister mit, dass die Gemeinde Marchtrenk, laut Landesregierung, zu den Errichtungskosten von 200.000 Schilling 60 Prozent, die Gemeinde Wei├čkirchen 40 Prozent zu zahlen h├Ątten. (Dies bezieht sich nur auf den Anteil der beiden Gemeinden. Einen viel gr├Â├čeren Betrag zahlte ÔÇô da es sich um eine Landesstra├če handelte ÔÇô das Land Ober├Âsterreich). Er bemerkte, dass diese Br├╝cke von gr├Â├čerer Bedeutung f├╝r Wei├čkirchen sei und er daher nicht einsehe, dass Marchtrenk einen gr├Â├čeren Beitrag leisten solle. Die ober├Âsterreichische Landesregierung aber beharrte auf ihrem Vorschlag.

Am 17. August 1952 wurde die neue Traunbr├╝cke dem Verkehr ├╝bergeben. Am Br├╝ckenkopf wurde die Statue des Hl. Florian aufgestellt. Die Baukosten sollen insgesamt drei Millionen Schilling betragen haben. F├╝r die Kosten der Feier bezahlte Marchtrenk 500 Schilling, Wei├čkirchen 400 Schilling. Die alte Holzbr├╝cke wurde 1953 abgerissen.


KANALISATION

Vizeb├╝rgermeister Kollmann sagte in der Gemeinderatssitzung im Oktober 1954, dass eine Kanalisation bzw. Errichtung einer Wasserleitung in Marchtrenk nicht vordringlich erscheine, da im Stadtgebiet von Wels der gr├Â├čte Teil der Stadt ohne Wasserleitung und Kanalisation sei.


SCHULBAU

Im Juni 1950 kaufte die Gemeinde zwei Grundst├╝cke f├╝r den Bau einer Volksschule. Das Areal erwies sich als unzweckm├Ą├čig, erneut musste um 35.000 Schilling ein Baugrund gekauft werden. Im Dezember 1950 erfolgte der Beschluss, eine Knaben und eine M├Ądchenschule mit einer Turnhalle und einer Schulwartwohnung zu errichten, die heutige GV 1. Mit dem Bau der Knaben-Volksschule wurde im April 1950 begonnen. Am 7. September 1952 wurde sie eingeweiht. Der zweite Trakt, jener f├╝r M├Ądchen, wurde erst zwei Jahre sp├Ąter fertiggestellt. Der Bau der Turnhalle musste wegen der geplanten Hauptschule verschoben werden.

Im M├Ąrz 1953 wurde die Errichtung einer Hauptschule beschlossen. In der Knaben-Volksschule waren seit September 1952 zwei provisorische Hauptschulklassen gef├╝hrt worden. Dies war dringlich geworden, da wegen Raummangels in Wels keine Sch├╝ler aus fremden Gemeinden mehr aufgenommen wurden. Circa 130 Kinder aus Marchtrenk besuchten die 2. bis 4. Klasse Hauptschule in Wels. Die Gemeinde Marchtrenk musste 40.000 Schilling an Gastschulbeitr├Ągen zahlen. Ein Abflauen des gro├čen Zuzugs war nicht zu erwarten. Am 25. April 1955 wurde mit dem Bau der Hauptschule begonnen. Im August war der Schulsportplatz fertig. Im September 1955 teilte der B├╝rgermeister mit, dass wider Erwarten die Zentralraiffeisenkasse Linz die Bewilligung eines Darlehens ├╝ber 400.000 Schilling abgelehnt habe. Auch andere Kreditinstitute weigerten sich, die Arbeiterbank gew├Ąhrte schlie├člich das Darlehen.


BILLIGER GRUND F├ťR DIE GEMEINDE

Im Februar 1954 bot Maria Haberfellner der Gemeinde ihre Liegenschaft, Marchtrenk Nr. 92, zu unglaublich g├╝nstigen Konditionen an. Die Gr├╝nde wurden f├╝r den Bau der Hauptschule, f├╝r den Kommunalfriedhof und f├╝r den Sportplatz genutzt. Zum Anwesen geh├Ârte auch etwas Wald. Das denkmalw├╝rdige Bauernhaus (Strohdeckung, Rauchkuchl etc.) wurde abgerissen.


KRIEGERDENKMAL

Am 6. Juni 1953 teilte der B├╝rgermeister mit, dass der Kriegsopferverband (K. O. V.) Hauptinteressent f├╝r das geplante Kriegerdenkmal sei. Als Obmann wurde Gemeinderat Rathmoser gew├Ąhlt. Am 2. Oktober 1955 wurde das Denkmal feierlich enth├╝llt.

Autor: Reinhard Gantner, 2015


"Nach dem Krieg. Marchtrenk 1945-1955" - Dokumentation einer Ausstellung des Museumsvereins Marchtrenk - Welser Heide vom 11. bis 15. September 2015 im Volkshaus Marchtrenk.

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