Forum O├ľ Geschichte

Gew├╝rzm├╝hle (ÔÇ×Pfefferm├╝hleÔÇť)

Nach dem Krieg. Marchtrenk 1945-1955


Kappern 16 (Kappern 23)
Heutiger Besitzer: Fam. Brunner


Diese Pfefferm├╝hle mit Gew├╝rzstampf, die 1867 errichtet wurde, geh├Ârte immer zu der Lipplm├╝hle.

Am 26. 02. 1877 pachtete Hr. Franz Hofwimmer (Thalmair-Vater) und in weiterer Folge sein Sohn Karl und sp├Ąter kurzzeitig Sohn Max, die M├╝hle. Die Gattin von Franz Hofwimmer stammte von der Aum├╝hle ab.

Die Pfefferm├╝hle und der Gew├╝rzstampf wurden beide mit 1 Wasserrad betrieben.

Der Gew├╝rzstampf bestand aus einer Eichenholzwelle, die vom Wasserrad angetrieben wurde. An dieser Welle waren sog. ÔÇ×TatzenÔÇť angebracht, die abwechselnd 12 paarweise angeordnete 20 kg schwere ÔÇ×HolzstampfenÔÇť, auch ÔÇ×Schie├čerÔÇť genannt, bewegten. Die mit Stahl beschlagenen Stampfspitzen stie├čen in 6 M├Ârser, sog. ÔÇ×AehlÔÇť, deren B├Âden auch mit Stahlplatten ausgekleidet waren. Das Gew├╝rz wurde durch das Stampfen im M├Ârser in Bewegung gehalten.

Wenn durch die Bachabkehr das M├╝hlrad nicht betrieben werden konnte, wurde im ehem. Thalmair-Haus (heute Achleitner-Haus, Paul-Hahn-Str. 40) elektrisch gemahlen.

Arme Leute pfl├╝ckten f├╝r Hr. Hofwimmer in der Au sog. ÔÇ×HasenwurzenÔÇť f├╝r Viehpulver, sowie Kamillen usw. Hr. Stanzl baute damals Majoran an, der in der M├╝hle (beim Stampf ) gemahlen wurde.

Es wurde f├╝r verschiedene Firmen gearbeitet, wie Knorr, B├Ąko, Stadlbauer, Blaimschein, Paul Ruppe, Philipp (heute Spar), Rehak, Wiberg, Almi, Einhorn- und Richter-Apotheke. Verschiedene Firmen lie├čen nur stampfen. Zuckerh├╝te (5 und 2 kg), W├╝rfelzucker und Kristallzucker wurden zwischen 1940 und 1942 f├╝r Gro├čh├Ąndler und Konditoreien zu Staubzucker vermahlen. Steinsalz wurde im Stampf zerkleinert und in der M├╝hle klein gemahlen.

Gemahlen wurde auch Pfeffer, Paprika, Neugew├╝rz, Zimt, Samen verschiedener Pflanzen, wie Muskat, Anis, Fenchel, Koriander und K├╝mmel, auch allerlei Heilpflanzen der Veterin├Ąrmedizin, wie Kalmus, Enzian, Wacholderbeeren, Eibischwurzeln, S├╝├čwurz und Fichtennadeln. ÔÇ×SchweinepulverÔÇť, ÔÇ×KuhstuppÔÇť und ÔÇ×Kehlstupp f├╝r PferdeÔÇť wurde ebenfalls erzeugt. Einmal wurden sogar Quecken (ÔÇ×Wei├čwurzenÔÇť) zu Brotmehl f├╝r das Gefangenenlager vermahlen.
Zimtstangen (gro├če Ballen) wurden zuerst im Stampf und dann in der M├╝hle verarbeitet. F├╝r die Fa. Anger aus Traun wurden Brillenfassungen zu Granulat zerstampft.

Von Hr. Karl Hofwimmer wurde vom 01. 05. 1921 bis 31. 12. 1923 auch die Auteneder-M├╝hle gepachtet.

1948 legte man den Gew├╝rzstampf und 1979 die Pfefferm├╝hle still.

Autor: Hans Durstm├╝ller, 1999


"Nach dem Krieg. Marchtrenk 1945-1955" - Dokumentation einer Ausstellung des Museumsvereins Marchtrenk - Welser Heide vom 11. bis 15. September 2015 im Volkshaus Marchtrenk.

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