Forum OÖ Geschichte

Die Geistlichkeit der katholischen Pfarre Marchtrenk

Nach dem Krieg. Marchtrenk 1945-1955


Der Pfarrer

PFARRER JOSEF HÖLTINGER

Pfarrer von 1933 bis zu seinem Tod 1968
Geboren 18.4.1896 Lambach
Weihe 29.6.1922 Linz
Gestorben 11.3.1968 Wels

Er hat die Pfarre nachhaltig geprĂ€gt und fĂŒhrte sie durch die politisch wohl schwierigsten Zeiten seit ihrer GrĂŒndung. 1940 trifft die Kirche ein schwerer Schlag: Aus unbekannter Ursache brennt der Kirchturm nieder. Die Glocken sind zersprungen, die Turmuhr, der Musikchor und die Orgel gingen zugrunde, das Kircheninnere war rauchgeschwĂ€rzt. Viele Paramente wurden beschĂ€digt. Trotz des Krieges kann Pfarrer Höltinger am 2. MĂ€rz 1941 Orgel und Kanzelweihe und die Turmkreuzsteckung feiern – die Glocken werden erst 1950 erneuert.

Pfarrer Josef Höltinger lĂ€sst an der der Bundesstraße 1 zugewendeten Seite der Kirche die Leuchtschrift „Rette deine Seele“ anbringen. Damals lief noch der gesamte Ost-West Verkehr auf der B1 durch Marchtrenk und so wurde Pfarrer Höltingers Leuchtschrift in ganz Österreich bekannt.


Priester, die in Marchtrenk ihre Primiz feierten

PFARRER JOSEF ORTMAIR

Pfarrer in Gutau, Linz und Roitham
Geboren 21. 10. 1920 Marchtrenk
Primiz 29. 7. 1948 Marchtrenk
Gestorben 2. 9. 2009 Linz

Auszug aus dem Nachruf von Pfarrer Ortmair (Pfarrblatt Roitham):

"Am Mittwoch, den 2. September ist Herr Pfarrer KsR Josef Ortmair verstorben. Er war von 1977 bis 1998 Pfarrer in Roitham. Sein Wirken in Roitham war geprĂ€gt von unermĂŒdlicher Schaffenskraft und Energie. Als er nach Roitham kam, war er schon nicht mehr ganz jung, dafĂŒr aber ausgestattet mit viel Erfahrung und guten, neuen Ideen. Viele Bauwerke, viele Erneuerungen und Änderungen gehen auf seine Initiative zurĂŒck.

Herr Pfarrer Ortmair war ein Mensch, der nicht den leichten, bequemen Weg ging. Was er als notwendig erkannte, das setzte er zielstrebig um, auch wenn es Hindernisse zu ĂŒberwinden galt. Er gehörte der Generation an, die schwere Zeiten erlebt hat. Er wusste daher um die Gedanken, Sorgen und Nöte der Ă€lteren Generation und fand besonders fĂŒr diese Menschengruppe immer die richtigen Worte, weil er ja die Kriegs und Notzeiten selbst durchlitten hat. Er lehnte sich auch in seinen Pensionsjahren nicht zurĂŒck, sondern war, solange es seine Gesundheit erlaubte, als Priester tĂ€tig. Vielen hat er als Krankenhausseelsorger bis zuletzt Trost und Zuspruch gegeben. MĂŒhen und Opfer um unsere neuen Glocken, die nun eine lange und glĂŒckliche Friedenszeit einlĂ€uten mögen!"

PATER DR. FRIEDRICH WEINGARTNER, SJ

UniversitÀtsprofessor in Taipeh
Geboren 22. 1. 1918 Meggenhofen
Primiz 3. 8. 1947 Marchtrenk
Gestorben 11. 1. 2012 Taipeh

Friedrich Weingartner, Sohn des Marchtrenker Postoberadjunkten Josef Weingartner, studierte Theologie in Innsbruck, Philosophie in MĂŒnchen und wurde 1947 in Innsbruck zum Priester geweiht. Am 31. Juli 1949, um 9 Uhr vormittags, verabschiedete er sich von seiner Heimatpfarrei, um als Missionar nach China zu gehen. Weil er in Maos China nicht einreisen durfte, verschlug es Weingartner nach Taiwan.

Am 2. Oktober 2008 wurde dem Jesuitenmissionar Friedrich Weingartner, der seit ĂŒber 40 Jahren in Taiwan lebte und wirkte, durch BundesprĂ€sident Dr. Heinz Fischer das Österreichische Ehrenkreuz fĂŒr Wissenschaft und Kunst verliehen.

Ein Auszug aus der Laudatio:

"Ab 1964 lebte Pater Friedrich Weingartner in Taiwan, wo er sich in seiner Laufbahn mit der Erforschung der Sprachen der Ureinwohner Taiwans, insbesondere der Sprache des Stammes der Saixia, beschĂ€ftigte. Pater Friedrich Weingartner grĂŒndete im Jahr 2000 das „Aboriginal Languages Research Center“ an der National University in Taipeh. Seine Publikationen im Bereich der Eingeborenensprachen gelten als einzigartig, handelt es sich bei seinen Werken doch um die ersten schriftlichen, in chinesischer Sprache erschienenen Aufzeichnungen, die sich der Sprache der Ureinwohner Taiwans widmen. Pater Friedrich Weingartners Forschungs und LehrtĂ€tigkeit sowie seine Leistungen im interkulturellen Austausch wurden ebenso von den taiwanesischen Unterrichtsbehörden in besonderer Weise gewĂŒrdigt."

Autor: DI Mag. Dr. Gerhard Hubmer, 2015


"Nach dem Krieg. Marchtrenk 1945-1955" - Dokumentation einer Ausstellung des Museumsvereins Marchtrenk - Welser Heide vom 11. bis 15. September 2015 im Volkshaus Marchtrenk.

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