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Wieder vereint!


„Wenn man dann endlich auf dem Zielbahnhof den Zug verlässt, die Lieben nach so vielen Jahren der Trennung umarmt, die Mutter, die Gattin, die Kinder und jenen guten, alten Freund, da ist auf einmal alles zuviel ...“
aus: Das Buch des österreichischen Heimkehrers

In das anfängliche Glück und die Wiedersehensfreude vereinter Familien hielt bald der Alltag Einzug: Die Heimkehr bedeutete für viele der aus der Kriegsgefangenschaft Entlassenen eine Ankunft in einer völlig neuen Welt: Viele hatten während der Gefangenschaft kaum Informationen über die weiteren Geschehnisse in ihrer Heimat erhalten. Das politische System hatte sich verändert, Österreich war (wieder) ein demokratischer Staat mit frei gewählten Vertretern geworden.

Vollkommen anders gestaltete sich auch das erneute Zusammenleben im Familienkreis, dies betraf sowohl die Heimkehrer als auch die Daheimgebliebenen. Oft kehrte nicht mehr dieselbe Person wie vor dem Krieg zurück: Ausgemergelt und vielfach psychisch gebrochen, hatte das in Gefangenschaft Erlebte das weitere Leben der Heimkehrer geprägt.

Kaum jemandem war es möglich, dort weiterzumachen, wo der Krieg eine Zäsur gesetzt hatte: Eingeholt von der Realität der Nachkriegszeit hatten die Heimkehrer die Bewältigung des Alltags zu meistern. „Es gab kaum einen von uns, der einfach weitermachen konnte. Die meisten standen vor dem Nichts. Zu vieles hatten wir verloren – Gesundheit, Jugend, Existenz, Freunde und manchmal sogar die Familie. Alles lag unter den Trümmern der Vergangenheit. Trotz dankenswerter Hilfe von manchen Seiten blieb es doch ein dornenvoller Weg, ein mühsamer Neubeginn, bis wir uns im Leben einigermaßen wieder zurechtfanden“, so der Bericht einer Heimkehrerin.

Die Re-Integration in Beruf und Gesellschaft dauerte oft Monate bis Jahre, und mit Sicherheit hat die Zeit in den Lagern das weitere Leben jedes Einzelnen geprägt.


Dokumentation zur Ausstellung "Heimkehrer 1947" von Konsulent Kurt Cerwenka im Landeskulturzentrum Ursulinenhof, 2007.

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