Forum OÖ Geschichte

Die AnfÀnge der Sozialpartnerschaften


Kammern als Interessenvertretung
Das politische System der Zweiten Republik unterschied sich in einigen Punkten markant vom politischen System der Ersten Republik. Genannt seien: das Konsensverhalten der politischen Eliten in der großen Koalition, der Aufbau der Sozialpartnerschaft (informell beginnend mit den fĂŒnf Lohn- und Preisabkommen zwischen 1947 und 1951, eingebunden waren Wirtschaftskammer und Landwirtschaftskammer, Arbeiterkammer und Gewerkschaft), ein dichtes Proporznetz, die Verstaatlichung, die ProduktivitĂ€tskampagnen: Zuerst muss investiert und produziert werden, bevor verteilt werden kann.
FĂŒr die Entwicklung der Sozialpartnerschaft nach 1945 stellten die Kammern als gesetzlich eingerichtete Instrumente der Interessenwahrnehmung aufgrund der Pflichtmitgliedschaft und des hohen Zentralisierungsgrades eine wichtige Voraussetzung dar. Die Wiederherstellung der Kammern schuf jenen ordnungspolitischen "Überbau", der das institutionelle GerĂŒst fĂŒr einen weitgehenden Interessenausgleich zwischen Landwirtschaft und Industrie und zwischen SelbstĂ€ndigen und UnselbstĂ€ndigen abgeben konnte. Mit Gesetz vom 20. Juli 1945 wurden die 1920 gegrĂŒndeten und 1938 aufgelösten Arbeiterkammern wiedererrichtet, womit in der sowjetischen Zone mit deren Wiederaufbau begonnen werden konnte. In Oberösterreich hingegen gab es mit Zustimmung des Alliierten Rates erst am 10. November die rechtlichen Voraussetzungen fĂŒr die Schaffung einer provisorischen Arbeiterkammer unter der Leitung von Heinrich Kandl als PrĂ€sident und Theodor Möbius als SekretĂ€r.

ÖGB – Österreichischer Gewerkschaftsbund
Auch die Wiedererrichtung des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) als einer formal parteiunabhĂ€ngigen, ĂŒberparteilichen und zentralistischen Einheitsgewerkschaft unterstĂŒtzte den sozialpartnerschaftlichen Konsens. Die GrĂŒndung erfolgte am 15. April 1945 in einer Situation, als auch auf parteipolitischer Ebene aus den Erfahrungen der nationalsozialistischen Zeit und der Konflikte der Ersten Republik die Bereitschaft zur Zusammenarbeit sehr stark war. In Oberösterreich erlaubte die MilitĂ€rregierung die Bildung des Gewerkschaftsbundes erst am 3. August. An sich war bereits am 14. Mai 1945 ein „Gewerkschaftsverband Oberösterreich“ gegrĂŒndet worden, wobei allerdings mangels einer Verbindung mit den Wiener Zentralstellen die Frage offen geblieben war, ob das nun eine Richtungs- oder eine Einheitsgewerkschaft sein sollte. Am 15. August konstituierte sich ein paritĂ€tisch aus den drei an sich noch illegalen Parteien zusammengesetztes gewerkschaftliches Neunerkomitee.

 


Verwendete Literatur siehe Bibliografie.
Redaktionelle Bearbeitung: Elisabeth Kreuzwieser, 2005

© 2018