Forum O√Ė Geschichte

Beginnender Aufschwung: 1950‚Äď1955


Hilfsbereitschaft
Ohne die gro√üe Welle der Hilfsbereitschaft, die √Ėsterreich vom Ausland entgegengebracht wurde, w√§re in den ersten Nachkriegsjahren weder die Versorgung der hungernden Bev√∂lkerung, noch in der kurzen Zeit ein derartig rascher Regenerationsprozess der Wirtschaft und des Landes m√∂glich gewesen, der im √∂sterreichischen ‚ÄěWirtschaftswunder‚Äú seinen bezeichnenden Ausdruck fand. Zu den schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen der Nachkriegszeit kam noch die komplexe Fl√ľchtlingssituation hinzu, die nur durch die internationalen Hilfsprogramme (UNRRA, IRO) und Auslandsspenden bew√§ltigbar war. Allein w√§ren die Probleme jener schwierigen Zeit f√ľr Ober√∂sterreich unl√∂sbar gewesen.
Zahlreiche internationale öffentliche und private Hilfsorganisationen trugen zur Überwindung der Not bei. Im Jahr 1946 stammten die offiziell an die nichtagrarische Bevölkerung verteilten Nahrungsmittel zu 39 Prozent aus der österreichischen Landwirtschaft, zu 60 Prozent aus internationalen Hilfen und Spenden und zu 1 Prozent aus kommerziellen Importen.

Care-Paket ‚Äď Symbol der Hoffnung
Als materialisiertes Symbol jener unfangreichen Hilfsleistungen der Nachkriegszeit ist das CARE-Paket tief in das kollektive Ged√§chtnis der europ√§ischen Bev√∂lkerung eingeschrieben: 1945 wurde von 22 amerikanischen Charity-Organisationen eine private Hilfsorganisation f√ľr Europa gebildet, die "Cooperative for American Remittances to Europe", abgek√ľrzt CARE. Das Ziel war es, von Einzelpersonen und Familien in den USA bezahlte Lebensmittelpakete zu Freunden, Angeh√∂rigen und Bekannten nach Europa zu schicken. Am 25. Juli 1946 trafen die ersten 3200 CARE-Paket in Wien ein. Insgesamt wurden in den Nachkriegsjahren 100 Millionen CARE-Pakete an Opfer des 2. Weltkrieges in ganz Europa verteilt. Nach √Ėsterreich kamen rund 1 Million CARE Pakete. 1955 endete das CARE-Programm f√ľr √Ėsterreich.
Die Pakete enthielten Fleisch- und Gem√ľsekonserven, D√∂rrobst, Trocken- oder Kondensmilch, Butter, K√§se, Getr√§nke und Genussmittel wie Kaffee, Zigaretten und Schokolade. Ab 1947 orientierte sich die Zusammenstellung der Care-Pakete st√§rker am Bedarf eines Familien-Haushalts ‚Äď es wurden insbesondere mehr Fleischprodukte, Schweineschmalz und pulverisierte Eier beigegeben.¬†

Care Paket

Ein Care-Paket enthielt:

4,1 Kilo Fleisch und Innereien
2,7 Kilo Cornflakes, Haferflocken und Kekse
1,4 Kilo Obst und Pudding
0,9 Kilo Gem√ľse
1,4 Kilo Zucker
0,5 Kilo Kakao-, Kaffee- und anderes Getränkepulver
0,4 Kilo kondensierte Milch
0,2 Kilo Butter
0,2 Kilo Käse
eine Packung Zigaretten
etwas Kaugummi


Im März 1947 wurden die Pakete durch Honig, Schokolade, Dörrobst, pulverisierte Eier und vieles mehr ergänzt, ab April wurden auch Decken, Baumwoll- und Wollstoffpakete verteilt. Ab August gab es schließlich eigene Säuglings- und Kleinkinderpakete sowie Pakete mit koscherem Essen.

Der Marshallplan ‚Äď Amerikanische Wirtschaftshilfe f√ľr Europa
Die bedeutendste Wirtschaftshilfe f√ľr den westeurop√§ischen Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg stellte das 1947 vom US-Au√üenminister George C. Marshall initiierte ‚ÄěEuropean Recovery Program‚Äú dar. F√ľr √Ėsterreich umfasste der sogenannte ‚ÄěMarshall-Plan‚Äú im Zeitraum 1948 bis 1953 Hilfsleistungen in Form von Krediten, Rohstoffen und G√ľtern im Wert von cirka einer Milliarde US-Dollar. Durch den Verkauf der Produkte und Rohstoffe konnte der Erl√∂s in die √∂sterreichische Wirtschaft investiert werden. Da Europa als wesentlicher Absatzmarkt f√ľr amerikanische Produkte und demnach auch als bedeutender Wirtschaftsfaktor f√ľr die USA galt, war die Wiederherstellung der europ√§ischen Wirtschaft eine unabdingbare Notwendigkeit. Au√üerdem sollte das Erstarken der Wirtschaft in Europa den sowjetischen Einfluss mindern. An die amerikanische Wirtschaftshilfe war als Bedingung das gemeinsame Ausarbeiten eines Wirtschaftsplanes und die gegenseitige Transparenz der Investitionen gekn√ľpft. Stalin, der auf diese Forderungen mit Ablehnung reagierte, untersagte auch den osteurop√§ischen Staaten eine Teilnahme am Marshallplan, um den amerikanischen Einfluss im √∂stlichen Europa m√∂glichst gering zu halten. W√§hrend sich die westeurop√§ischen Staaten durch die Wirtschaftshilfen √ľberraschend schnell von den Kriegssch√§den erholten und bald eine progressive Phase eingel√§utet wurde, machten die kommunistischen Staaten eine wesentlich langsamere Entwicklung durch. Die Blockbildung des Kalten Kriegs und das Ende der diplomatischen Beziehungen zwischen Amerika und der Sowjetunion waren hiermit besiegelt.

Die Grundlegung des Industrielandes Oberösterreich
Im Gegensatz zu Nieder√∂sterreich, wo viele der Kriegsgr√ľndungen nach dem Kriege nahezu spurlos untergingen, konnten sich in Ober√∂sterreich die im Kriege entstandenen Gro√übetriebe nach zwar gro√üen √úbergangsschwierigkeiten zu dauerhaften Kristallisationskernen industrieller Dynamik entwickeln. Die Verstaatlichung schuf die Voraussetzungen f√ľr ein planvolles Vorgehen. Die grunds√§tzliche Entscheidung f√ľr eine gro√üz√ľgige Weiterf√ľhrung und Ausweitung der Kriegsgr√ľndungen fiel aber nicht bereits unmittelbar nach Kriegsende, sondern erst in den Jahren 1947 und 1948 im Zusammenhang mit dem Marshallplan und der damit verbundenen wirtschaftlichen Integration Westeuropas und als Ersatz f√ľr die von der USIA beschlagnahmten Produktionen in der russischen Besatzungszone. Die Aufteilung der Marshallplan-Mittel auf die einzelnen Besatzungszonen entsprach dem strategischen Ziel, die Westzonen wirtschaftlich aufzuwerten und die Abh√§ngigkeit von der Ostzone zu verringern.

Hochwasserkatastrophe 1954
Schwierige Zeiten erlebte das sich wirtschaftlich soeben erholende Land √Ėsterreich bei der Hochwasserkatastrophe im Juli 1954, die gro√üen Schaden im gesamten Bundesgebiet anrichtete.

Krisenregion M√ľhlviertel
Anders als Ober√∂sterreich s√ľdlich der Donau erlebte das M√ľhlviertel w√§hrend der Besatzungszeit keinen wirtschaftlichen Aufschwung. Vielmehr erfuhr das strukturell ohnehin benachteiligte M√ľhlviertel durch den massiven Abtransport und die Verwaltung durch die Sowjets einen bedeutenden √∂konomischen R√ľckschlag. W√§hrend im s√ľdlichen √Ėsterreich massive Investitionen in den Bereichen Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft get√§tigt werden, mangelte es hier weitgehend an Privatinitiativen.
Die russische Besatzungsmacht demontierte nicht nur, solange das ober√∂sterreichische Gebiet √∂stlich der Enns zur russischen Besatzungszone z√§hlte, einen wesentlichen Teil der Maschinen im Steyr-Hauptwerk und im W√§lzlagerwerk. Auch der restliche Maschinenpark der Messerschmitt-Werke in St. Georgen und der Steyr-Werke in Gusen, ebenso wie ins M√ľhlviertel verlagerte Maschinen von Sprecher & Schuh oder der Welser Flugzeug- und Metallbauwerke (in den Kellern der Greinburg) wurden beschlagnahmt und abtransportiert.

 


Verwendete Literatur siehe Bibliografie.
Redaktionelle Bearbeitung: Elisabeth Kreuzwieser, 2005

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