Forum OÖ Geschichte

Kulturpolitik und Kulturangebot 1945–1955


Instrumentalisierung von Kultur
Das erfolgreiche Konzept der politischen Instrumentalisierung von Kultur wurde schon vor und wĂ€hrend der NS-Zeit hinreichend bewiesen, wofĂŒr Heimatschutzbewegung, die GrĂŒndungswelle von Heimatmuseen zu Beginn des 20. Jahrhunderts und die NS-Kulturpolitik Zeugnis ablegen. SpĂ€ter zogen auch die BesatzungsmĂ€chte das kulturelle Angebot zum Bewerben ihrer politischen Ideologien heran. Die amerikanische Propaganda, die sich anfangs stark fĂŒr Entnazifizierung, die Überwindung faschistischer Elemente und die Verbreitung demokratischen Gedankenguts einsetzte, verwandelte sich zunehmend in eine anti-sowjetische Propaganda. Und umgekehrt waren die VerhĂ€ltnisse Ă€hnlich: Besonders das Kulturangebot spiegelt den Kampf der MĂ€chte wieder, das – wie Markus Feigl anhand von Plakaten aus der Zeit zwischen 1945 und 1955 aufgezeigt hat – als „kulturelle Visitkarte“ der jeweiligen Besatzungsmacht zu lesen ist.

Kulturförderung in der sowjetischen Zone
Anfangs erfolgte in der sowjetischen Besatzungszone die institutionalisierte Förderung kultureller Initiativen engagierter als in amerikanisch besetzten Gebieten. Kulturelle Belange fielen in den ZustĂ€ndigkeitsbereich eigener Kulturoffiziere. So kam es bereits im Juni 1945 zur Errichtung des „Neuen Theaters“ in Steyr und in Urfahr wurde im August das sowohl fĂŒr die Besatzungssoldaten als auch fĂŒr die Zivilbevölkerung zugĂ€ngliche „Volkstheater“ eröffnet. Das von Theaterdirektor Mally ausgewĂ€hlte EröffnungsstĂŒck Frohe Fahrt in die Zukunft zeigt, wie sehr in den ersten Wochen nach Kriegsende Wert darauf gelegt wurde, möglichst heitere und unproblematische StĂŒcke aufzufĂŒhren.
Die GrĂŒndung einer Zweigstelle der „Gesellschaft zur Pflege der kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zur UdSSR“ zielte auf die Förderung des Austauschs zwischen österreichischer und sowjetischer Kultur ab. Orchester, KĂŒnstlerensembles und Kulturschaffende wurden eingeladen, VortrĂ€ge und Diskussionsabende sowie FilmvorfĂŒhrungen veranstaltet. Im Zentrum dieser Veranstaltungen standen die Errungenschaften der sozialistischen Gesellschaft.

Kulturarbeit in der amerikanisch besetzten Zone – Institutionalisierung der Abteilung „Kultur“
WĂ€hrend die Kulturarbeit der ersten Nachkriegszeit in der amerikanischen Zone noch von diktatorischer Kontrolle geprĂ€gt war, wurde der kulturpolitische Verantwortungsbereich bald zunehmend zurĂŒckgenommen und – unter Beibehaltung einer Kontrollfunktion – auf die Landesregierung ĂŒbertragen.
FĂŒr die heutige kulturpolitische Struktur in Oberösterreich waren Initiativen der Besatzungszeit nicht unwesentlich: Die Institutionalisierung der heutigen Kulturabteilung der Oberösterreichischen Landesregierung lĂ€sst sich auf die amerikanische MilitĂ€rregierung zurĂŒckfĂŒhren, die im Beamtenkabinett Eigls ein Ressort fĂŒr „Schöne KĂŒnste und Bauten“ vorsah, das mit dem heutigen Denkmalamt vergleichbar ist. Nach der GrĂŒndung einer, fĂŒr Auswahl und Zensur des Kulturangebots zustĂ€ndigen, „Zivilen Zensurstelle“ und der Einrichtung von Abteilungen fĂŒr Presse und Kultur wurde im Februar 1947 die GrĂŒndung einer Kulturabteilung mit Sitz im Landhaus beschlossen. Die Aufgabenbereiche der von Hans Wopelka geleiteten Abteilung wurden zunehmend komplexer, gliederten sich in weitere Fachbereiche wie Theater, Musik, Bildende Kunst und Heimatpflege und sahen eine gezielte Kultursubvention vor. Deutlich spiegelt sich die – von BĂŒrgermeister Koref besonders unterstĂŒtzte – offensivere Kulturpolitik in der GrĂŒndung der „Neuen Galerie der Stadt Linz – Wolfgang Gurlitt Museum“ (1947/48), der Kunstschule der Stadt Linz (1947) die eine innovative Neuorientierung oberösterreichischer Kunst begĂŒnstigen und in bewusster Abgrenzung zur nationalsozialistischen Kunst stehen sollten. Auch die 1913 gegrĂŒndete und 1952 neukonstitituierte „KĂŒnstlervereinigung MAERZ“ stand in einem NaheverhĂ€ltnis zur sozialististischen Kulturpolitik, wurde aber nicht unmittelbar von dieser betrieben.

UnterstĂŒtzung und Förderung von KĂŒnstlern
Das Kulturamt war neben der Zusammenstellung des öffentlichen Kulturangebots auch fĂŒr die UnterstĂŒtzung von KĂŒnstlern zustĂ€ndig: Dies betraf sowohl die Hilfe bei der Erlangung einer Auftrittsgenehmigung und finanzieller UnterstĂŒtzung als auch die Unterbringung der KĂŒnstler. Die Veranstaltungen des Kulturamts, die bis Jahresende 1945 mehr als 6000 Besucher zĂ€hlten, reichten von Lieder- und Musikabenden ĂŒber Dichterlesungen bis hin zu VortrĂ€gen. Der Rathaussaal diente an den Wochenenden fĂŒr Kindervorstellungen und wurde auch sonst hĂ€ufig fĂŒr AuffĂŒhrungen der „StĂ€dtischen Kammerspiele“ verwendet, die beachtliche Leistungen zustande brachten. Die öffentliche Vortragsreihe „Die Alliierten sprechen zu uns“ sollte das gegenseitige VerstĂ€ndnis zwischen der Zivilbevölkerung und den BesatzungsmĂ€chten fördern.

Erste kulturelle Initiativen im Salzkammergut
WĂ€hrend des Krieges hatte sich eine beachtliche Zahl an KĂŒnstlern, Schauspielern, Dichtern und Musikern in das „sichere“ Salzkammergut zurĂŒckgezogen, um den gefĂŒrchteten Bombenangriffen der Alliierten zu entgehen. Dort setzten wie auch in Braunau und Wels erste kulturelle Initiativen der Nachkriegszeit ein. In Bad Ischl wurde die von Ort zu Ort ziehende „KĂŒnstlergemeinschaft Ischl“ ins Leben gerufen, der berĂŒhmte Schauspieler und KĂŒnstler wie Theo Lingen, Siegfried Breuer und Paul Kempf angehörten. Die „VolksbĂŒhne Wels“ fĂŒhrte mit ihrem Star Johannes Heesters bereits ab September 1945 ein Buntes VarietĂ© auf. 1949 entstand im CafĂ© Goethe das Linzer Kellertheater. Auch in der amerikanischen Zone ist die Tendenz zur AuffĂŒhrung fröhlicher, unbeschwerter StĂŒcke unverkennbar. Die Wiedereröffnung des Linzer Landestheaters erfolgte mit September 1945 erst relativ spĂ€t und war anfĂ€nglich nur fĂŒr amerikanische Soldaten an drei Spielabenden pro Woche geöffnet – erst etwas spĂ€ter wurde der Besuch auch fĂŒr die österreichische Bevölkerung gestattet. Gerade fĂŒr das Nachkriegstheater spielte die Stadt Linz eine nicht unbedeutende Rolle. In den ersten Jahren nach Kriegsende verzeichnet Linz allein neun aktive BĂŒhnen und Gruppen.

Entnazifizierung des Bereichs „Kultur“
Zu einer der ersten Aufgaben des „Information Service Branch“ (ISB) zĂ€hlte die Entnazifizierung des Kunstlebens, bei der KĂŒnstler und Schauspieler mittels Fragebogen einer ÜberprĂŒfung auf ihre NS-Vergangenheit unterzogen wurden. Öffentlich auftreten durften nur durch den ISB und spĂ€ter durch zivile Behörden offiziell entlastete KĂŒnstler. Das Brucknerorchester beispielsweise, das vorwiegend aus Reichsdeutschen und Parteimitgliedern bestand, löste sich durch die Entnazifizierungsbestimmungen ganz auf. Die restlichen Musiker fanden unter dem Namen „Linzer StĂ€dtisches Symphonieorchester“ wieder zusammen, dessen erste AuffĂŒhrung im August 1945 stattfand.

Film und Kino – ein wichtiges Propagandainstrument
Der Kinobetrieb wurde bereits ab Mitte Juli 1945 von mehreren Linzer Kinos wieder aufgenommen. Der Film war wohl mithin das wirksamste Propagandainstrument der Nachkriegszeit. Im Zusammenhang mit dem Kalten Krieg ließ sich das filmische Klischee von Gut und Böse zumeist direkt auf die konkurrierenden Ost-West-MĂ€chte umlegen. Beispiele dafĂŒr sind der auch nach 1945 noch populĂ€re Film Schlacht auf dem Eis – Alexander Newskij von Sergej Eisenstein (1938) oder Kampf der Welten aus dem Jahr 1953.


Verwendete Literatur siehe Bibliografie.
Redaktionelle Bearbeitung: Elisabeth Kreuzwieser, 2005

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