Forum OÖ Geschichte

Geteiltes Land


Zonenteilung
FĂŒr die oberösterreichische Bevölkerung bedeutete die Zoneneinteilung eine zehn Jahre andauernde Trennung zwischen dem MĂŒhlviertel und dem sĂŒdlichen Oberösterreich. Donau und Enns als Zonengrenzen zwischen sowjetischem und amerikanischem Gebiet waren anfangs ĂŒberhaupt nicht und bis zur Aufhebung der russischen Zonenkontrolle im Jahr 1953 nur mit amtlich bestĂ€tigtem Passierschein und viersprachigem IdentitĂ€tsausweis passierbar. Die umstĂ€ndlich zu passierenden Zonengrenzen waren eine große Belastung des alltĂ€glichen Lebens. Schlangestehen und Kontrollen, Entlausungen und andere Schikanen der kontrollierenden Behörden sind hĂ€ufig Thema in der Erinnerung von Zeitzeugen. Mehr als andere BundeslĂ€nder bekam Oberösterreich wĂ€hrend der Besatzungszeit das KrĂ€ftemessen zwischen den West- und OstmĂ€chten direkt zu spĂŒren. Das GefĂŒhl des Eingesperrtseins und der Unsicherheit war stĂ€ndiger Begleiter jener Zeit. Jahrelang war unklar, ob der im Entstehen begriffene, kommunistische Block auch Teile Österreichs okkupieren wĂŒrde oder nicht. Zentral war im Europa der Nachkriegszeit das Ringen um die Verteilung des sowjetischen Einflusses: Im Mittelpunkt des Interesses Stalins standen zwar Osteuropa und Deutschland, aber auch die Kontrolle in Österreich war fĂŒr die sowjetische Großmacht nicht unbedeutend. Durch die Besetzung des gesamten MĂŒhlviertels stand die Donau zwischen Hainburg und Passau (im MĂŒhlviertel zumindest auf einer Uferseite) unter sowjetischer Kontrolle und darĂŒber hinaus stieß das gesamte tschechoslowakische Gebiet somit an keine westlich besetzte Zone. Ersteres war fĂŒr den ungehinderten Abtransport „Deutschen Eigentums“ in die Sowjetunion wesentlich und zweiteres unterstĂŒtzte die Sowjetisierung und kommunistische Blockbildung der osteuropĂ€ischen Staaten.

Alliierte Kontrollabkommen
Zwei Abkommen regelten die alliierte Kontrolle in Österreich: WĂ€hrend das I. Kontrollabkommen vom 4. Juli 1945 eine totale Kontrolle durch die Alliierten MilitĂ€rregierungen vorsah, die bis zum Entstehen einer eigenstĂ€ndigen österreichischen Regierung durch den Alliierten Kontrollrat ausgeĂŒbt werden sollte, waren die Bestimmungen des II. Kontrollabkommens ab 28. Juni 1946 wesentlich gelockert. Trotz grĂ¶ĂŸerer Einflusskompetenzen fĂŒr die österreichische Regierung im gesamten Bundesgebiet war man dennoch von einer tatsĂ€chlichen staatlichen EigenstĂ€ndigkeit weit entfernt. FĂŒr die MilitĂ€rregierung bedeutete das II. Kontrollabkommen einen Wechsel von der Kontrolle zur Beobachtung und UnterstĂŒtzung der österreichischen Behörden – ein neuer politischer Ansatz, der nicht immer einfach durchzufĂŒhren war. Ab 1948 empfand selbst die oberösterreichische Regierung die MilitĂ€rregierung, die sich, um dem Terminus „befreites Land“ gerecht zu werden, in „Civil Affairs“ (Zivilangelegenheiten) umbenannt hatte, kaum mehr als Belastung. Das Befehlssystem der Amerikaner wich zunehmend einer Verhandlungsbasis mit krĂ€ftiger Mitsprache durch die Österreicher.

 


Verwendete Literatur siehe Bibliografie.
Redaktionelle Bearbeitung: Elisabeth Kreuzwieser, 2005

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