Forum OÖ Geschichte

Das Wirtschaftswunder – Einleitung


Die Wirtschaft der westlichen Welt erlebte nach dem Krieg einen enormen Aufschwung, der unter der Bezeichnung „Wirtschaftswunder“ in die Geschichte einging. Möglich wurde diese unerwartet rasche, positive Wirtschaftsentwicklung durch verschiedene Faktoren: den technischen Fortschritt, die rasch sinkenden Energiepreise, die wachstumsorientierte Wirtschaftspolitik und die amerikanischen Hilfsprogramme, insbesondere das ERP-Programm („European Recovery Program“) oder die so genannte Marshallplan-Hilfe, die 1947 durch den amerikanischen Außenminister George Marshall angeregt worden war.
Österreich konnte am Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit voll teilhaben. Die Wirtschaftshilfe, die WĂ€hrungsreform 1947, die AnfĂ€nge der Sozialpartnerschaft in den fĂŒnf Lohn-Preis-Abkommen (1948–1951) und der Raab-Kamitz-Kurs ab 1953 trugen entscheidend zur Stabilisierung von WĂ€hrung und Wirtschaft und zur Etablierung einer marktwirtschaftlichen Ordnung in Österreich bei.

Die Wachstumsperiode der 50er Jahre erstreckte sich in Österreich ĂŒber zwei volle Konjunkturzyklen, von 1953 bis 1958 und von 1958 bis 1962. Sozialprodukt und ProduktivitĂ€t stiegen mit hohen Raten. Mit 6,1 % Wirtschaftswachstum pro Jahr wurde Österreich damals innerhalb der europĂ€ischen OECD nur von der BRD ĂŒbertroffen. Die Handelsströme expandierten außerordentlich stark. Aber erst gegen Ende der 50er Jahre wurde die VollbeschĂ€ftigung erreicht. Das ArbeitskrĂ€fteangebot nahm zu, weil der Agrarsektor leicht ArbeitskrĂ€fte abgeben konnte.

Ansteigende Löhne und Einkommen fanden im neuen Konsumverhalten der Bevölkerung ihren Ausdruck: Insbesondere amerikanische Produkte und LuxusgĂŒter hatten es den Österreichern angetan. Erhöhter Konsum, gesteigerte Freizeit und MobilitĂ€t sowie die Ausstattung der Haushalte mit neuen Innovationen waren nun leistbare Annehmlichkeiten, die ab den fĂŒnfziger Jahren ein neues LebensgefĂŒhl einleiteten.


Verwendete Literatur siehe Bibliografie.
Redaktionelle Bearbeitung: Elisabeth Kreuzwieser, 2005

© 2018