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Das Jahr 1968 – Abgrenzen: "Prager Frühling" und "Normalisierung"


Das Ende des "Prager Frühlings"

Die „Normalisierung“ schreitet voran
Der stellvertretende russische Außenminister Kuznezow begibt sich am 6. September nach Prag, um die sogenannte „Normalisierung der Beziehungen“ voranzutreiben. Alle wichtigen politischen Ämter werden nach und nach mit moskauhörigen Funktionären besetzt. Auch die Wirtschaft unterstellt man total der kommunistischen Zentralplanung. Hunderttausende reformfreundliche Bürger stehen schon unter andauernder Beschattung der Geheimpolizei. Reisen ins Ausland unterliegen den strengsten Kontrollen, die Grenzbewachung wird verstärkt. Mitten in einer „Entlassungswelle von Reformpolitikern“ verbrennt sich der 21-jährige Philosophiestudent Jan Palach am 16. Jänner auf dem Prager Wenzelsplatz. Mit seinem Selbstmord will er ein Zeichen gegen die Pressezensur setzen. Mehr als eine halbe Million Menschen nehmen demonstrativ an seinem Begräbnis teil. Immer wieder kommt es zu antisowjetischen Kundgebungen, die große Mehrheit der Bevölkerung zieht sich jedoch ins Privatleben zurück.

Machtwechsel
Als es am 28. März 1969 bei einer spontanen Jubeldemonstration nach einem Eishockeysieg (CSSR:UDSSR - 4:3) über die UDSSR sogar zu Ausschreitungen gegen Soldaten der Roten Armee kommt, stellt der Kreml der Prager Regierung ein scharfes Ultimatum. Breschnew verlangt die unverzügliche Entlassung aller Reformer. Bei der ZK-Sitzung am 17. April 1969 erfolgt dann auch der endgültige Machtwechsel. Eine stalinistische Säuberungswelle stürzt die CSSR zurück in die Vergangenheit. Als Folge kommen etwa 162.000 Flüchtlinge nach Österreich, von denen aber nur 12.000 um Asyl ansuchen und in Österreich bleiben. Der weitaus größere Teil reist in andere westliche Länder oder kehrt in die Heimat zurück. Das Experiment „Prager Frühling“ ist beendet, wirklich demokratische Reformen sind in weite Ferne gerückt. Die Ideen und der Kampf für Freiheit und Recht bleiben in den Köpfen der Menschen.

Ausbau des „Eisernen Vorhangs“
Wenige Monate nach dem Ende des „Prager Frühlings“ werden die Grenzbefestigungen erheblich verstärkt und weiter ausgebaut. Der Grenzverkehr reduziert sich wieder auf den Wirtschaftsverkehr, der Tourismus sinkt in die Bedeutungslosigkeit.


Dokumentation der Sonderausstellung Das Jahr 1968 – Abgrenzen: "Prager Frühling" und "Normalisierung" vom 8. September bis 26. Oktober 2018 im Mühlviertler Schlossmuseum Freistadt.

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