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Das Jahr 1948 – Eingrenzen: Der eiserne Vorhang teilt Europa


Tschechoslowakei zwischen Ost und West

Im Januar 1948 wird der britische Botschafter Philip Nichols von Pierson Dixon abgelöst. Der neue diplomatische Vertreter soll bei seinem Amtsantritt unter anderem ein vorsichtiges Hilfsangebot des britischen Außenministers Ernest Bevin an Beneš übermitteln.

Wie aber sah der tschechoslowakische Staatspräsident die Lage seines Landes? Der Historiker Houska:
„Beneš ging von der geopolitischen Lage der Tschechoslowakei zwischen Ost und West aus. Nach seiner Auffassung sollte das Land enge Beziehungen zu beiden Polen der Weltpolitik unterhalten. Daraus ist ersichtlich, dass er auch mit der Unterstützung des Westens rechnete, vor allem wegen des zunehmenden Drucks seitens der Sowjetunion. Neben der moralischen Unterstützung stellte er sich vor allem die Hilfeleistungen für die Wirtschaft vor...“

Präsident Beneš kapituliert
Anfang Februar 1948 entlässt der kommunistische Innenminister Nosek acht hohe „bürgerliche“ Polizeioffziere und ersetzt sie durch Funktionäre seiner Partei. Die nichtkommunistischen Minister protestieren gegen das Vorgehen der KPČ und reichen am 20. Februar 1948 ihren Rücktritt ein. Sie hoffen auf den Sturz der Regierung und auf Neuwahlen. Die für einen Regierungsrücktritt erforderliche Stimmenanzahl wird jedoch nicht erreicht, die Aktion scheitert. Ministerpräsident Gottwald nützt die unsichere Situation im Land aus und setzt den Staatspräsidenten unter Druck. Beneš nimmt schließlich die Rücktritte der demokratischen Minister an, er hält das den Demokraten gegebene Versprechen nicht. Auch die völlig uneinigen Sozialisten tragen Schuld an der Niederlage der Demokratie in der Tschechoslowakei.
 


Dokumentation der Sonderausstellung "Das Jahr 1948 – Eingrenzen: Der eiserne Vorhang teilt Europa" vom 28. Juli bis 26. August 2018 im Mühlviertler Schlossmuseum Freistadt.

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