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Das Jahr 1948 – Eingrenzen: Der eiserne Vorhang teilt Europa


Kommunistischer Umsturz in Prag

„Kalter Staatsstreich“ in Prag
24./25. Februar 1948 - Beginn der kommunistischen Diktatur
Die Kommunisten organisieren aggressive Aufmärsche mit Generalstreik-Drohungen, Besetzungen von Fabriken und Zeitungsredaktionen folgen. Alle antikommunistischen Zeitungen werden eingestellt. Das Innenministerium verbietet Ein- und Ausreisen, die Grenzkontrollen werden nochmals verschärft. Eine gegen die KPČ gerichtete Demonstration von 15.000 Studenten auf dem Prager Wenzelsplatz wird von der Polizei brutal niedergeschlagen.

Die „Sowjetisierung“
Klement Gottwald setzt bei Präsident Beneš die Bildung einer sogenannten „Arbeiterregierung“ durch. Gezeichnet von schwerer Krankheit und unter hohem politischen Druck stehend, nimmt Beneš die Vereidigung der neuen Regierung vor.

Kommunisten an der Macht
Prag, am Mittwoch, 25. Februar 1948
Gottwald begibt sich mit der von Edvard Beneš unterzeichneten Ministerliste zum Altstädter Ring.
Um 17 Uhr verkündet er die endgültige totale kommunistische Machtübernahme.
Tausende schreiende und jubelnde Kommunisten feiern den „Sieger“. Die Diktatur ist zum „Gesetz“ geworden.
In den frühen Morgenstunden des 10. März 1948 wird im Innenhof des Ministeriums die Leiche von Jan Masaryk gefunden. Bis heute ist nicht geklärt, ob es Mord oder Selbstmord war.

Edvard Beneš tritt ab
Als er schwer krank wird, fndet Präsident Beneš den Mut, den Text der neuen Verfassung ohne seine Unterschrift zurückzuschicken. Er will als Präsident abtreten, aber Gottwald lehnt ab. Beneš gibt wieder einmal nach!
Die Wahlen am 20. Mai 1948 stehen total im Zeichen des kommunistischen Terrors. Daraufhin zeigt Edvard Beneš Haltung und tritt am 2. Juni zurück.
Am 14. Juni 1948 wird Klement Gottwald auf der Prager Burg „einstimmig“ zum Staatspräsidenten gewählt. Beneš stirbt am 3. September 1948 einsam in seiner Villa in Sezimovo Ústí.

ÄŒSSR wird eine kommunistische Volksdemokratie
Der politische Umsturz leitet eine Gleichschaltung des staatlichen und gesellschaftlichen Lebens nach sowjetischem Vorbild ein. Bald werden zehntausende Beamte und Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kirche und Kultur wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ entlassen, verfolgt und verhaftet. Viele Menschen sterben in sogenannten Umerziehungslagern. Der Staat übernimmt die Aufsicht über alle Universitäten und Schulen. Der Führungsanspruch der Kommunisten ist absolut, von Freiheit und Demokratie ist keine Rede mehr. Höhere Parteifunktionäre werden wegen ihrer Vergehen allerdings kaum zur Verantwortung gezogen, denn unabhängige Gerichte existieren nicht mehr.

Verfolgungen und Verhaftungen
Ende 1948 verhaftet man sogar Leute aus dem früheren antifaschistischen Widerstand wegen ihrer „Freiheitsaktiviät". Die Grenze wird hermetisch abgeriegelt. Nach und nach ziehen Wachtürme, Stacheldrähte, Minenfelder, Stolperdrähte und Patrouillen mit scharfen Hunden einen „Eisernen Vorhang“ zu.
 


Dokumentation der Sonderausstellung "Das Jahr 1948 – Eingrenzen: Der eiserne Vorhang teilt Europa" vom 28. Juli bis 26. August 2018 im Mühlviertler Schlossmuseum Freistadt.

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