Forum O√Ė Geschichte

Die Zerstörungen des Krieges


Die Opfer
In √Ėsterreich insgesamt hatten die nationalsozialistische Schreckensherrschaft und der Krieg hatten eine grausige Bilanz hinterlassen. Die n√ľchternen Zahlen, die wohl eher Untergrenzen darstellen, k√∂nnen nur das Ausma√ü andeuten: etwa 247.000 √∂sterreichische Milit√§rtote, mindestens 120.000 √Ėsterreicher, die in Haft, Konzentrationslagern und Euthanasieprogrammen umgekommen und ermordet worden waren, und die etwa 25.000 bis 30.000 Ziviltoten, die Luftangriffen und Kriegshandlungen auf √∂sterreichischem Boden zum Opfer gefallen waren. Von den etwa 1,3 Millionen zur Deutschen Wehrmacht eingezogenen Soldaten aus √Ėsterreich trugen 170.000 eine dauernde Invalidit√§t davon. Fast 500.000 waren in Kriegsgefangenschaft geraten, davon 220.000 bis 230.000 in russische, aus der sie erst nach Jahren zur√ľckkehrten. An die 370.000 Witwen und Waisen waren zu versorgen.

2700 √Ėsterreicher waren als aktive Widerstandsk√§mpfer hingerichtet worden, mehr als 100.000 hatten zwischen drei Monaten und sieben Jahren in Konzentrationslagern verbracht. Von den wahrscheinlich mehr als 200.000 √∂sterreichischen Juden war etwa 125.000 bis 130.000 die Flucht gegl√ľckt. Insgesamt wurden etwa 70.000 bis 80.000 √∂sterreichische Juden umgebracht. Bis zu 90 Prozent der etwa 11.000 √∂sterreichischen Roma und Sinti wurden ermordet, und etwa 40.000 im Rahmen der Euthanasieprogramme. Ungef√§hr 5.000 √Ėsterreicher waren zwangssterilisiert worden.

Das Bundesland Oberösterreich hatte durch den Zweiten Weltkrieg insgesamt ca. 64.300 Todesopfer zu beklagen. Davon gelten 40.000 als gefallen oder dauernd vermisst. Die Zahl der zivilen Opfer liegt bei 24.300. Es gab kaum eine Familie, die nicht ein Mitglied durch den Krieg verloren hatte.

Die Bombenschäden
Am auff√§lligsten waren die Sch√§den an den Geb√§uden und Verkehrseinrichtungen. Die Ausgangslage der einzelnen Bundesl√§nder war allerdings sehr unterschiedlich. Ober√∂sterreich befand sich in einer viel besseren Situation als Wien, Nieder√∂sterreich und das Burgenland. Die Zerst√∂rungen in der Endphase des Krieges waren viel geringer ausgefallen als in Ost√∂sterreich. Der √ľberwiegende Teil der Industriebetriebe blieb von Bombenangriffen verschont. Auch von direkten Kampfhandlungen und von wirtschaftlichen Eingriffen der Besatzungsm√§chte, vor allem Demontierungen, war das Land sehr wenig betroffen.

Die Bombenangriffe der Alliierten galten in Ober√∂sterreich in erster Linie der R√ľstungsindustrie im Gro√üraum Linz und Steyr und den Verkehrsanlagen: In den St√§dten Linz, Wels und Steyr sowie in Attnang-Puchheim, das ein wichtiger, strategischer Eisenbahnknoten war, wurde enormer Schaden angerichtet. Die Gesamtanzahl der Bombenopfer in Ober√∂sterreich lag bei cirka 3.000. In Linz waren durch die 22 schweren Bombenangriffe seit Februar 1944 rund 14.000 Wohnungen vollst√§ndig zerbombt oder so weit besch√§digt worden, dass sie nicht mehr bewohnbar waren. 691 H√§user waren total zerst√∂rt, 1.174 schwer, 1.284 mittel und 8.935 leicht besch√§digt, insgesamt ein Drittel des Linzer H√§userbestands. Der Wiederaufbau konzentrierte sich vorerst auf die Wiederherstellung lebensnotwendiger Einrichtungen. Das Leben in der unmittelbaren Nachkriegszeit in den St√§dten war ein Leben in Schutt und Asche. Die Wirtschaft war nahezu vollkommen zusammengebrochen, auch wenn die gro√üen Industrieanlagen bei den Bombenangriffen keineswegs v√∂llig zerst√∂rt worden waren. Was viel schwerer wog und die Produktion l√§hmte, war der Mangel an Kohle, Rohstoffen und Ersatzteilen.

Versorgung in der ersten Nachkriegszeit
Es herrschten chaotische Zustände. Nahezu jeder Mensch war in irgendeiner Form betroffen: Die größten Probleme waren sicher der Hunger, die Wohnungsnot und der Mangel an Strom, Gas und Heizmaterial. Aber auch unterbrochene Kommunikationsmöglichkeiten machten das Leben schwer. Es gab kaum die Möglichkeit, sich nach dem Verbleib von Familienmitgliedern zu erkundigen.

Am kritischsten war die Lebensmittelversorgung. Die ersten Wochenzuteilungen in Linz ergaben 535 Kalorien pro Tag. In der Versorgungsperiode vom 28. Mai bis 24. Juni 1945 lagen die Lebensmittelrationen f√ľr Normalverbraucher bei 670 Kalorien. Der Kalorienwert der auf Karten ausgegebenen Nahrungsmittel war im Juni und Juli 1945 um mehr als die H√§lfte niedriger als im letzten Kriegsmonat, dem April 1945. Auch die Aufbesserung durch Hamsterfahrten war in diesen Monaten kaum m√∂glich. F√ľr die Zuteilungsperiode vom 28. Mai bis 24. Juni 1945 waren als Wochenration pro Kopf vorgesehen: 200 g Fleisch, 500 g Brot, 100 g Fett, 125 g Zucker, 75 g Trockenerbsen, 25 g Kaffeemittel und ein Ei. Auf Grund der √úberbev√∂lkerung und des mangelnden Nahrungsangebotes wurde die Lebensmittelrationierung noch bis 1950 fortgef√ľhrt.

Den Schutt nicht wegzuräumen, sondern zu nutzen, darin bestand die Phantasie des alltäglichen Überlebens. Mit Fallschirmseide, Reifengarnen, Wehrmachtsdecken, Gasmasken oder Stahlhelmen konnte man manches anfangen: Hochzeitskleider nähen, Unterhosen stricken, Wintermäntel machen, Sieblöffel und Mörtelschöpfer herstellen, Kochtöpfe erzeugen.

Hamsterfahrten, Schmuggeltouren, Schwarz- und Schleichhandelsgesch√§fte konnten √ľber Engp√§sse hinweghelfen, aber auch reich machen. Die arbeitsteilige Geldwirtschaft war vor√ľbergehend funktionsunf√§hig geworden: Pl√ľndern, Organisieren, Sammeln und Tauschen bedeuteten das kurzfristige Wiederaufleben archaischer Formen wirtschaftlicher Beziehungen.


Verwendete Literatur siehe Bibliografie.
Redaktionelle Bearbeitung: Elisabeth Kreuzwieser, 2005

© 2018