Forum OÖ Geschichte

Roman Sandgruber

Handy

Es ist nicht mehr wegzudenken, in Österreich und weltweit: das Handy. Im Jahr 2000 hatten bereits 58 Prozent der oberösterreichischen Haushalte ein Mobiltelefon. Und heute gehen die SchĂ€tzungen dahin, dass sich bereits 80 Prozent der Bevölkerung dieser Innovation bedienen.
Die ersten mobilen Telefone gab es 1958 als Autotelefone. 1983 stellte Motorola das weltweit erste kommerzielle Mobiltelefon „DynaTAC 8000X“ vor: mehr als ein Kilogramm schwer, so groß wie ein Aktenkoffer, 4000 Dollar teuer. Motorola unterschied die beiden militĂ€risch genutzten Produkte auf dem Gebiet der mobilen FunkgerĂ€te nach der Trageweise: Das RucksackfunkgerĂ€t wurde „Walkie-Talkie“ getauft, das HandsprechfunkgerĂ€t „Handie-Talkie“. 25 Jahre danach ist die Welt eine Handy-Welt geworden. Kein Konsumgut hat die Konsumgewohnheiten in so kurzer Zeit so radikal verĂ€ndert, ist damit doch jedermann zu jederzeit erreichbar, verfĂŒgbar und auch entdeckbar geworden. Osama Bin Laden muss auf Brieftauben und altmodische Kuriere zurĂŒckgreifen, will er nicht aufgespĂŒrt werden.
1994 wurde im Duden-Fremdwörterbuch das Wort Handy als allgemeine Bezeichnung fĂŒr ein kleines, handliches GerĂ€t angefĂŒhrt. Aber „Handy“ als Bezeichnung fĂŒr ein Mobiltelefon ist ein Scheinanglizismus und kein englisches Wort. Wer sichergehen will, dass er von seinem englischsprachigen GegenĂŒber verstanden wird, sollte besser die Bezeichnung portable, cellular phone, mobile phone oder einfach nur mobile benutzen. Von Rechtschreibreformern wird inzwischen auch die eingedeutschte Schreibweise HĂ€ndi empfohlen. In der Schweiz ist auch immer noch die Bezeichnung Natel (Nationales Autotelefon) im Gebrauch.

Die Entwicklung ist noch lange nicht am Ende: sie geht in Richtung eines kombinierten Multifunktions- gerÀtes mit Funktionen nicht nur als Telefon, Uhr, Rechner, Terminkalender, Spielkonsole, Musik-Player und Kamera, sondern auch NavigationsgerÀt, Geldbörse, Visitenkarte und generelle Informationshilfe, die mitteilt, wem man gerade begegnet, was man sieht, was man tun sollte.
Das sicherste Zeichen, dass etwas unentbehrlich geworden ist, ist immer, dass es von der Steuer entdeckt wird. So reiht sich die Handymastensteuer wĂŒrdig ein in die lange Reihe der Erfindungen der österreichischen SteuerbĂŒrokratie, von der Salz- und Tabaksteuer ĂŒber die Besteuerung der Fenster und DachflĂ€chen bis zur ZĂŒndholzsteuer, Autosteuer und Luftsteuer. Dem Handyboom wird das alles keinen Abbruch tun.

Oberösterreichische Nachrichten, 10. September 2005, 36.

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