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Roman Sandgruber

Geschenke

Weihnachten ist lĂ€ngst zum großen GeschĂ€ft geworden: die Hektik des Einkaufens, des Geschenke Besorgens und des Eintauchens in einen glitzernden Werberummel hat jegliche Besinnlichkeit, die der Advent als Vorbe- reitung auf die Geburt des Herrn eigentlich bringen soll, in den Hintergrund gedrĂ€ngt.

Es sind mehrere Arten von Geschenken, die in der heutigen GabenfĂŒlle unter dem Christbaum zusammengeflossen sind, einerseits Gaben, die an einen Baum gehĂ€ngt und von diesem wie von einem Maibaum abgerĂ€umt wurden, zweitens Gaben, die an herumziehende Gruppen verteilt wurden, drittens die Weihnachtsmahlzeit, an der alle Hausangehörigen teilhaben konnten, und viertens Geschenke, die anlĂ€sslich des Jahreswechsels gegeben wurden.

Das Christkind als Gabenbringer gibt es noch nicht sehr lang. FrĂŒher verteilte die Geschenke der heilige Nikolaus. Von den Reformatoren, die den katholischen Heiligenkult zurĂŒckdrĂ€ngen wollten, wurde statt der Nikolausbescherung die Weihnachtsbescherung gefördert. Seit dem 16. Jahrhundert verwandelten verschiedene deutsche StĂ€dte ihre NikolaimĂ€rkte in Weihnachts- und ChristkindlmĂ€rkte. In den evangelisch dominierten Regionen wurde der heilige Nikolaus zum recht weltlichen Weihnachtsmann. Das Christkind als Gabenbringer konnte sich nur langsam durchsetzen. Im Böhmerwald sprach man bis ins beginnende 20. Jahrhundert lieber vom „Goldenen Rössl“, das Geschenke ins Fenster stellte.

Man denkt bei Weihnachtsgeschenken vor allem an Gaben fĂŒr die Kinder. Aber die Kinderbescherung steht erst seit neuerer Zeit im Vordergrund. Weihnachtsgeschenke wurden an Dienstboten, Arme und Bettler gegeben. Die Dienstboten erhielten einen Laib Brot, vielleicht auch ein Hemd oder ein Paar Schuhe. Auch die Vermummten, die in der Weihnachtszeit in manchen Brauchtumsregionen noch immer herumziehen, bekamen Gaben. Der oft drohende Ton der dabei verwendeten Heischelieder hat sich freilich inzwischen auf Halloween verlagert.

Auch die Haustiere wurden frĂŒher in der Weihnachtsnacht beschenkt. Das Vieh im Stall musste am Weihnachtsabend von allen Gerichten kosten, bekam ein StĂŒck Brot oder ein besonderes Futter, oder die Tiere wurden am Abend besonders reichlich gefĂŒttert. Die Reste des Weihnachtsessen brachte man den ObstbĂ€umen in den Garten. Im Pinzgau sagte man: „Bam, esst’s!“ So bekam auch die Natur ihren Teil, in einem Fest, das ja fĂŒr die Menschen frĂŒherer Zeiten die entscheidende Wende im Jahreskreislauf bedeutete: die wieder wachsende Sonne und damit wieder erwachende Natur.

Oberösterreichische Nachrichten, 10. Dezember 2005

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