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Roman Sandgruber

Aprilscherz


Abraham a Santa Clara, der sprachgewaltige Predigermönch, schrieb: „Heut` ist der erste April, da schickt man den Narren wohin man will.“ Und bei Mozart in der „Gärtnerin aus Liebe“ findet man den Satz: „Glaubt nicht an die Lügen des losen Mädchens, sie will euch schicken in den April!“ Wieder ist der 1. April, und man wartet gespannt, was den Scherzbolden diesmal einfallen wird, obwohl man eigentlich das ganze Jahr über mit einer nicht enden wollenden Serie von Aprilscherzen konfrontiert ist.

In unserer auf Rekorde bedachten Zeit gibt es selbstverständlich auch Rankings der Aprilscherze, vom aufwendigsten über den dümmsten bis zum ältesten, häufigsten oder unverschämtesten. Was gab es nicht schon alles: Köchinnen wurden um Stecknadelsamen geschickt, Lehrlinge um gedörrten Schnee oder um Gewichte für die Wasserwaage, Schüler um ein Ipidum und Ohwiedum oder um schwarze Kreide oder ein silbernes Warteinweil. Man weiß nicht, ob auf diese alten Geschichten tatsächlich irgendjemand irgendeinmal hereingefallen ist.

Eigentlich geht es beim Aprilscherz um das Ritual der verkehrten Welt, dass auch jene, die in der sozialen Leiter unten sind, einmal die oberen zum Narren halten dürfen, oder dass die, die immer die Wahrheit sagen, einmal ungestraft flunkern dürfen. Die Realität der Aprilscherze aber ist meist eine andere, dass jene, die es ohnehin das ganze Jahr über in Berichten, Gutachten oder Ankündigungen mit der Wahrheit nicht so genau nehmen, dies am 1. April noch ungenierter tun dürfen und jene, die die soziale Macht haben, ihre Untergebenen und Abhängigen ganz offen zum Narren machen können. Denn: Aprilnarren sind Kinder und Einfältige, Leute, auf deren Kosten sich die vermeintlich Schlauen köstlich und im sicheren Gefühl der geistigen Überlegenheit amüsieren. Bedacht mit den unterschiedlichsten Spottnamen wie Aprilesel, Aprilbock, Aprilkalb, Aprilochse, oder in Frankreich Aprilfisch - wird die vermeintliche Dummheit der Tiere auf die so Bezeichneten übertragen.

Viele der gelehrten oder weniger gelehrten Erklärungen zum Ursprung und Sinn des Aprilscherzes, etwa der etwas alberne Satz, dass Christus an diesem Tag von Pontius zu Pilatus geschickt worden sei, muten selbst wieder wie ein Aprilscherz an. Quellenmäßig verbürgt sind Aprilscherze seit dem 16. Jahrhundert. Tatsächlich dürften sie sehr viel älter sein und mit dem Brauchtum des Jahresanfangs, der früher mit dem Frühlingsanfang zusammenfiel, in Zusammenhang stehen. Nach diesem langen Winter wollen wir uns zum Aprilanfang gerne ein bisschen zum Narren halten lassen, auch wenn wir wissen, dass uns das ganze Jahr über, besonders in einem Wahljahr, noch viele Aprilscherze bevorstehen werden.

Oberösterreichische Nachrichten, 1. April 2006.

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